cinepaese colonia

01. Juli 2021

polyport durbusch-dahlhaus

Luftspielstudio. Experimentalgelände für Kunst, Ökologie und Architektur.

Eine Plattform für Recherche und Dokumetation, für Installationen, Performances und Projektvorstellungen im Bergischen Land.

Der Polyport ist sowohl eine Start- und Landeanlage, als auch eine Spielwiese. Es ist keine Cinecittà, sondern ein Cinepaese und ein Biotop. Die Wiese ist gleichzeitig Landefläche für Insekten, Vögel, fliegende Pferde und auch Bühne für Performances, Installationen Inszenierungen.

Der neue Flugplatz im Kölner Osten ist dem Fluxus Pionier Robert Filliou gewidmet, der seine Arbeit bereits in den 1960-er Jahren nach einer planetarischen Zukunft ausrichtete – „bien volé, mal volé, pas volé”. Es geht um die Kunst des Schwebens über nationale Grenzen hinaus, um das Ziel des guten Ankommens unter Freunden, um den Verzicht auf Unnötiges und Lästiges. Um die mögliche Leichtigkeit des Seins.

Der Polyport bedient verschiedene Flugverfahren zwischen den Netzen und Knoten der Metropolregion KölnBonn. Der grüne Flugplatz wird nach den Regeln der Luftfahrtkunst und ökologischen Richtlinien betrieben und von architektonischen und künstlerischen Experimenten begleitet. Fliegen mit ingold airlines bedeutet ja nicht, auf das Fliegen zu verzichten, sondern anders und schöner zu fliegen.

50°55’32”N 7°14’28”E Landesstrasse 84 – Schlehecker Strasse, 51503 Durbusch-Rösrath / Bergisches Land

holyport

10. März 2021

Fliegen im Allgäu

tanz+bilanz

19. April 2020

Solar Eclipse, Luc Viatour 1999

 

Amore + Aviazione

Reiseverbote, Videokonferenzen, paradoxe Pausen.
Mehr als zwei Drittel aller Flüge weltweit gecancelt.
Viele Airlines haben den Betrieb komplett eingestellt, die USA folgen mit Verzögerung, China zieht langsam wieder an, fast alle drängen auf staatliche Finanzhilfen und Neustart anstatt umzulenken.      Fantasiestau.

Bedenklich, aber gut: ingold airlines verzeichnet im ersten Quartal 2020 unvorstellbare Zuwachsraten im Substitutionsluftverkehr und im Verlagerungssektor. Angesichts der weltweiten Pandemie kein Anlass zum Prahlen und keine wirklich beruhigende Bilanz. Doch immerhin wird der Gewinn vollumfänglich der Gemeinschaft überlassen. Eine gute Gelegenheit, neue Geschäftsmodelle zu etablieren, denen endlich die längst bekannten Aspekte einer Langstreckenethik zugrunde liegen und bei denen Respekt vor Cashflow kommt.

Respekt kann verschiedenes bedeuten. Ein Blick aus der Zukunft zurück auf die Gegenwart, etwa vom Ablauf der Massnahmen in China nach Bekanntwerden des Ausbruchs des Covid 19 Virus auf die spätere Beurteilung der Situation in anderen Teilen der Welt. Oder eine historische Rückbetrachtung der Epidemieausbrüche entlang der Handelswege. Respekt kann aber auch bedeuten, Rücksicht zu nehmen auf die anderen Lebewesen und auf die Zusammenhänge zwischen Selbsterhaltung und Ausgrenzung aller Arten. Ökologie vor Ökonomie zu setzen bedeutet nicht auf das Fliegen zu verzichten. Es geht bloss um eine Verlagerung der Ansprüche – weniger, aber schöner zu fliegen.

Schöner fliegen bedeutet fliegen aus Zuneigung. Zulassen, das Gleichgewicht zu verlieren und sich der Neigung hinzugeben, sich fallen zu lassen ohne Furcht und ohne aufzuprallen. Spontan wie sich zu verlieben mit allen Folgen. Leichtigkeit zu gewinnen und sich zu beschwingen, sich mit- und nebeneinander tragen zu lassen, zu schweben. Fantasie zu entwickeln und sich der Thermik zu überlassen. Langsam dahin zu gelangen wo man sich hintreiben lässt.

Den eigenen Sinnen vertrauen und nicht denen der Oma oder Influencer*innen. Oder Bedenkenträgern und Abmahnkanzleien, Rechtsauslegern und Populisten, Labertaschen und Dogmatikern. Den Augen vertrauen, der Zunge, der Haut, den Ohren, den Haarwurzeln, den Geschmacksknospen und den Tastrezeptoren, den Nerven, den Drüsen und den Hormonen, den Lichtwellen und Schallimpulsen, den Temperaturunterschieden und den Helligkeitsveränderungen, den Düften und Pheremonen, dem Impuls nach oben und unten und dem spontanen Gleichgewicht im Schwung und im Sprung. Der Genuss im Spiel und der Verkörperung der eigenen Oper. Die Blinksignale des Leuchtkäfers von dem seines Rivalen unterscheiden, das Amselduett aus dem Vogelkonzert heraushören, das Salz in der Schokolade schmecken und sich von der Wechselwärme der Wellen tragen lassen. Der Melodie der Sprache lauschen und die Einsamkeit der Nachbarin unterbrechen, den Spielregeln der Kinder vertrauen.

Fliegen ausnahmsweise auch als Abneigung, als ein Hinauslehnen über eine Begrenzung hinweg in den freien Fall, als Flucht aus einer Enge. Die gedehnte Neigung zum Sturz in etwas Besseres, bloss ohne auf den Sack zu fallen. Der Unterschied zwischen Flug und Flucht ist ohnehin relativ. Dass fliegen und fliehen eng beieinander liegen ist legendär und durch unzählige geglückte und misslungene Fluchtversuche durch die Luft belegt. Cyrano de Bergerac etwa hatte dazu für seine Reisen zu den Staaten und Reichen des Mondes bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ein fotovoltaisches Ultralight Rückstossvehikel verwendet.